„11 mit Tom“ das Reiseinterview, heute mit Oliver Zwahlen

Heute mit Oliver Zwahlen, Journalist und Reiseblogger seit über 14 Jahren. Wer, wenn nicht Oliver ist prädestiniert, um der erste Globetrotter in meiner neuen Serie „11 mit Tom“ auf globetrotter-info.net zu werden?

Oliver in Tiflis

1. Was macht für Dich einen wahren Globetrotter aus?

Um ehrlich zu sein, habe ich etwas Mühe mit dem Konzept des „wahren Globetrotters“. Es mag sein, dass wir unterschiedlich reisen, aber letztlich sind wir doch alle Touristen – so gern wir dieses Wort auch mit anderen Begriffen wie „Traveller“ oder eben „Globetrotter“ ersetzen, um uns so von anderen Reisenden abzugrenzen. Das Wichtige ist meiner Meinung nach, dass jeder die für sich richtige Art zu reisen findet und dabei darauf achtet, dass er keinen allzu grossen Schaden an der Umwelt und in den besuchten Kulturen anrichtet. Für mich selber fühlt sich langsames Reisen richtig an. Ich möchte Zeit haben, um an einem neuen Ort richtig einzutauchen. Deswegen war es für mich auch besonders spannend, sechs Jahre lang in Peking zu leben. Aber das muss nicht für jeden die richtige Lösung sein.

2. Was bedeutet das Reisen für Dich?

Ich bin von Haus auf Historiker und Ethnologe. Auf Reisen interessiert mich, wie andere Gesellschaftskonzepte funktionieren. Wir sind ja immer sehr schnell dabei, alles zu verurteilen, das wir nicht kennen oder verstehen. Ich denke da zum Beispiel an traditionelle Geschlechterrollen in anderen Kulturen oder an den Schleier, den wir aus unserer Warte als Symbol der Unterdrückung von Frauen wahrnehmen. Das gibt es sicherlich auch. Aber wenn man sich die Mühe macht, mit Schleier tragenden Frauen zu reden, merkt man: Für viele ist das überhaupt kein Zwang, sondern eine Möglichkeit, sich zur eigenen Weltanschauung zu stehen und sich von westlichen Werten abzugrenzen. Daher bedeutet Reisen für mich auch immer, die Werte und Eigenarten der eigenen Gesellschaft zu hinterfragen.

3. Wie alt warst Du bei Deiner ersten Reise?

Die erste Reise ohne meine Eltern unternahm ich, als ich 17 Jahre alt war. Ich bin mit einem Freund zwei Woche nach Sankt Petersburg gefahren, wo wir bei einer befreundeten Familie unterkamen. Bis ich allerdings regelmässig zu reisen begann, dauerte es nochmals etwa fünf Jahre.

4. Wie lange dauerte Deine längste Reise?

Wenn wir meine Jahre in China nicht zählen (dort lebte ich ja), dann war ich noch nie so unglaublich lange am Stück unterwegs. Meine Reisen dauerten meistens drei Monate. Das finde ich auch eine recht gute Länge: Das Reisen wird nicht allzu sehr zum Alltag, aber trotzdem hat man genug Zeit, um sich treiben zu lassen.

5. Wohin reist Du als Nächstes?

Ich entscheide das oft spontan. Nachdem ich diesen Sommer eine Woche in Georgien war, habe ich unglaublich viel Lust, den Kaukasus besser kennenzulernen. Ich möchte noch einmal nach Georgien und auch Armenien und Aserbaidschan klingen spannend. Da ich nun bis auf weiteres in Europa bin, wird es wohl in nächster Zeit hauptsächlich Trips innerhalb des Alten Kontinents geben.

6. Planst Du Deine Reisen selber?

Ja, auf jeden Fall. Wobei gilt: Je mehr Zeit ich habe, desto weniger plane ich. In der letzten Zeit nahm ich allerdings auch an einigen Blogger- und Pressereisen teil. Da war das Programm vom Veranstalter vorgekaut. Aber diese Reisen sind meistens recht kurz.

7. Ist das Reisen nach wie vor etwas Spezielles für Dich?

Ja. Ich gehe heute anders an Reisen heran. Ich habe viel weniger Angst vor dem Unbekannten und viel mehr Vertrauen in meine Fähigkeit, mich überall auf der Welt zu Recht zu finden. Aber obwohl ich schon bald in 50 Ländern dieser Welt war, ist es noch immer ein besonderes Gefühl, einen unbekannten Ort zu entdecken und kennenzulernen. Daran hat sich nicht viel geändert.

8. Auf Reisen liest man bekanntlich gerne, was ist Dein Lieblingsbuch?

Ich kann mich in Zügen oder auf dem Flugplatz nicht gut konzentrieren. Daher lese ich lieber zu Hause als auf Reisen. In den letzten Jahren habe ich natürlich sehr viel zu China gelesen. Über meine Lieblingsbücher zu China habe ich hier kürzlich einen eigenen Artikel geschrieben.

9. Welchen Einfluss hatte das Reisen auf Dein Leben?

Es wirkt sich vor allem auf mein soziales Leben aus. Ich habe in den letzten Jahren kaum neue Bekanntschaften in der Schweiz geschlossen – was natürlich durch die reservierte Grundhaltung meiner Landsleute begünstigt wird. Deshalb sind meine sozialen Kontakte heute auf der ganzen Welt verstreut – darunter auch viele digitale Nomaden. Diese Kontakte zu pflegen, benötigt Zeit.

10. Lieblingsairline?

Ich fliege meistens mit Turkish Airlines, weil sie ab meinem Provinzflughafen (Basel) oft die günstigsten Tarife anbietet und insbesondere auch sehr gute Konditionen beim Umbuchen bietet. Aber grundsätzlich mag ich die Fluggesellschaften im Fernen Osten wie etwa Cathy Pacific, die mich mit echt leckerem Essen und einem tollen Service überraschten.

11. Lieblingsreisedestination?

Wenn es nicht schon rübergekommen ist, sage ich es hier ganz deutlich: Ich bin ein grosser Asienfan. Besonders gut gefällt mir Japan mit seinem vielfältigen urbanen Leben und den vielen Subkulturen, die es in den Grossstädten gibt. Vor allem aber ist in Japan die Natur wahnsinnig schön wie etwa in den „japanischen Alpen“ oder auf den tropischen Inseln von Okinawa. Das Land kann ich nur empfehlen. Es ist übrigens deutlich günstiger, als viele denken.

Zum Abschluss noch Dein Lebensmotto:

Jede Reise beginnt erst mit dem zweiten Schritt.

Besuche Olivers Website!

Und hier noch einige ausgewählte Artikel von Oliver:

http://weltreiseforum.com/blog/tiflis-dich-der-georgischen-hauptstadt-erwartet/

http://weltreiseforum.com/blog/kommunikation-auf-reisen-es-geht-auch-ohne-worte/

http://weltreiseforum.com/blog/kommentar-wieso-der-respekt-vor-anderen-kulturen-bei-den-mitreisenden-beginnen-sollte/

 

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